Die Fahrt in den Süden wird nun noch angenehmer. Das „Service“ der Semmering-Bergstrecke ist beendet.
(Semmering, 29. Mai 2026) – Die aktuellen Arbeiten zur Revitalisierung der historischen Semmeringbahn sind bis auf das Wiederaufbringen der Gesimssteine am Kalten Rinne-Viadukt abgeschlossen, die Strecke ist wieder zweigleisig befahrbar. Seit heute, 5:00 Uhr früh, läuft der reguläre Fahrbetrieb im Fern- und Nahverkehr auf der direkten Verbindung zwischen Niederösterreich und der Steiermark.
Im Fokus der Bauarbeiten stand das Viadukt “Kalte Rinne”, das größte seiner Art entlang der Bahnstrecke über den Semmering. Unter anderem wurde die Bewehrung für das Tragwerk des Viadukts erneuert. Rund 92 Tonnen Betonstahl in unterschiedlichsten Ausformungen – darunter Stäbe und Bügel – wurde fachgerecht eingebaut. Im Anschluss an die Betonage erfolgte das Aufbringen einer Grundierung, auf die zwei Lagen von Abdichtungsbahnen aufgeflämmt wurden. Diese Abdichtung stellt sicher, dass das Bauwerk, konkret die Tragwerksplatte, dauerhaft gegen das Eindringen von Wasser geschützt ist. Vergleichbar ist dieser Arbeitsschritt mit der Kellerabdichtung eines Wohnhauses, die ebenfalls dem Schutz vor Feuchtigkeit dient.
Insgesamt wurden in dieser Bauphase etwa 1.200 Quadratmeter Abdichtungsbahnen verarbeitet. Die errichteten Bewehrungskörbe übernehmen darüber hinaus eine tragende Funktion als Fundamente für die Oberleitungsmasten. Parallel zu diesen Arbeiten wurden rund 500 Kubikmeter Gleisschotter abgetragen sowie etwa 780 Quadratmeter Schalung hergestellt und verbaut.
Für den effizienten Transport von Material auf die Viaduktbaustelle stand ein Lastenlift zur Verfügung, der am Gerüst installiert war und einen Höhenunterschied von rund 45 Metern überbrückt. Dies gewährleistete einen reibungslosen Bauablauf auch unter den anspruchsvollen logistischen Bedingungen der Baustelle.
Bauarbeiten am Viadukt “Kalte Rinne”
Heuer lag das Hauptaugenmerk auf der Sanierung des größten und mächtigsten Viadukts “Kalte Rinne”. Die Semmeringbahn war während der Bauarbeiten von 14. März bis 28. Mai befahrbar. Die Züge rollten auf einem Gleis an der Baustelle vorbei, während am zweiten Gleis gearbeitet wurde. In akribischer Detailarbeit wurden die Gesimssteine, die das Viadukt säumen, abgetragen, die alte Fahrbahnplatte entfernt, eine neue Bewehrung verlegt und eine neue Tragwerksplatte betoniert. Es folgte das Anbringen einer Abdichtung, die das Viadukt vor Witterungseinflüssen schützt. Die beim Abtrag nummerierten Gesimssteine werden in den folgenden Wochen nun noch in Nachtschichten in der richtigen Reihenfolge aufgesetzt und die Brüstungsmauer wiederhergestellt. Zudem wurden 200 Meter Gleise und eine Weiche erneuert, Unterbaumaßnahmen am Gleiskörper durchgeführt und weitere Entwässerungsmaßnahmen gesetzt. Investiert wurden in die Maßnahmen auf der Semmering-Bergstrecke im Jahr 2026 rund 20 Millionen Euro. Bis zu 50 Mitarbeiter:innen waren rund um die Uhr an der schwer zugänglichen Baustelle unter Berücksichtigung aller Vorgaben des Denkmalschutzes im Einsatz.
Arbeiten für die Zukunft
Bis zur Eröffnung des Semmering-Basistunnels Ende 2029 stellt die Semmering-Bahn ein wichtiges Puzzleteil der Südstrecke dar. Die über 170 Jahre alte Gebirgsbahn wird auch in Zukunft ein unverzichtbarer Teil der Verbindung von Wien in den Süden bleiben. Ihre außergewöhnliche Trassenführung durch alpines Gelände stellt jedoch hohe Anforderungen an Infrastruktur und Betrieb. Insbesondere die topografisch anspruchsvollen Verhältnisse, wiederkehrende Belastungen durch Schnee und Frost sowie das kontinuierlich steigende Verkehrsaufkommen im Personen- und Güterverkehr wirken sich spürbar auf die Substanz der Strecke aus. Um diesen Herausforderungen langfristig zu begegnen und einen sicheren sowie zuverlässigen Bahnbetrieb zu gewährleisten, ist eine schrittweise und vorausschauende Sanierung der Semmering-Bergstrecke unerlässlich.