Die traditionsreiche Semmering-Bergstrecke wird derzeit einem umfassenden Service unterzogen, mit dem ihre Funktionstüchtigkeit und Qualität nachhaltig gesichert werden.
(Semmering, 29. April 2026) – Die aktuellen Arbeiten zur Revitalisierung der historischen Semmeringbahn laufen noch genau einen Monat. Damit ist bereits mehr als die Hälfte der am 14. März gestarteten Sanierungsarbeiten erfolgreich abgeschlossen. Auch die mit den Bauarbeiten verbundenen betrieblichen Einschränkungen nähern sich damit zunehmend ihrem Ende, mit 29. Mai erfolgt die Rückkehr zum regulären Fahrbetrieb.
Derzeit konzentrieren sich die Bauarbeiten auf die Verlegung der Bewehrung für das Tragwerk. In dieser Phase werden rund 92 Tonnen Baustahl in unterschiedlichsten Ausformungen – darunter Stäbe und Bügel – fachgerecht eingebaut. Im Anschluss an die Betonage erfolgt das Aufbringen einer Grundierung, auf die zwei Lagen von Abdichtungsbahnen aufgeflämmt werden. Diese Abdichtung stellt sicher, dass das Bauwerk, konkret die Tragwerksplatte, dauerhaft gegen das Eindringen von Wasser geschützt ist. Vergleichbar ist dieser Arbeitsschritt mit der Kellerabdichtung eines Wohnhauses, die ebenfalls dem Schutz vor Feuchtigkeit dient.
Insgesamt werden in dieser Bauphase etwa 1.200 Quadratmeter Abdichtungsbahnen verarbeitet. Die errichteten Bewehrungskörbe übernehmen darüber hinaus eine tragende Funktion als Fundamente für die künftig montierten Oberleitungsmasten. Parallel zu diesen Arbeiten werden rund 500 Tonnen Gleisschotter abgetragen sowie etwa 780 Quadratmeter Schalung hergestellt und 600 Kubikmeter Beton verbaut.
Für den effizienten Transport von Material auf die Viaduktbaustelle stehen ein Turmdrehkran und ein Lastenlift, der am Gerüst installiert ist und einen Höhenunterschied von rund 45 Metern überbrückt, zur Verfügung. Dies gewährleistet einen reibungslosen Bauablauf auch unter den anspruchsvollen logistischen Bedingungen der Baustelle.
Bauarbeiten am Viadukt “Kalte Rinne”
Heuer liegt das Hauptaugenmerk auf der Sanierung des größten und mächtigsten Viadukts “Kalte Rinne”. Die Semmeringbahn bleibt während der Bauarbeiten von 14. März bis 28. Mai befahrbar. Die Züge rollen auf einem Gleis an der Baustelle vorbei, während am zweiten Gleis gearbeitet wird. In akribischer Detailarbeit werden die Gesimssteine, die das Viadukt säumen, abgetragen, die alte Fahrbahnplatte wird entfernt, eine neue Bewehrung verlegt und eine neue Tragwerksplatte betoniert. Es folgt das Anbringen einer Abdichtung, die das Viadukt vor Witterungseinflüssen schützt. Danach werden die beim Abtrag nummerierten Gesimssteine in der richtigen Reihenfolge aufgesetzt und die Brüstungsmauer wiederhergestellt. Zudem werden 200 Meter Gleise und eine Weiche erneuert, Unterbaumaßnahmen am Gleiskörper durchgeführt und weitere Entwässerungsmaßnahmen gesetzt. Investiert werden in die Maßnahmen auf der Semmering-Bergstrecke im Jahr 2026 rund 20 Millionen Euro. Bis zu 50 Mitarbeiter:innen sind rund um die Uhr an der schwer zugänglichen Baustelle unter Berücksichtigung aller Vorgaben des Denkmalschutzes im Einsatz.
Arbeiten für die Zukunft
Bis Ende 2029, wenn die ersten Züge durch den Semmering-Basistunnel rollen, trägt die Bergstrecke weiterhin die volle Last der Südstrecke. Die über 170 Jahre alte Gebirgsbahn wird auch in Zuknuft ein unverzichtbarer Teil der Verbindung von Wien in den Süden bleiben. Ihre außergewöhnliche Trassenführung durch alpines Gelände stellt jedoch hohe Anforderungen an Infrastruktur und Betrieb. Insbesondere die topografisch anspruchsvollen Verhältnisse, wiederkehrende Belastungen durch Schnee und Frost sowie das kontinuierlich steigende Verkehrsaufkommen im Personen- und Güterverkehr wirken sich spürbar auf die Substanz der Strecke aus. Um diesen Herausforderungen langfristig zu begegnen und einen sicheren sowie zuverlässigen Bahnbetrieb zu gewährleisten, ist eine schrittweise und vorausschauende Sanierung der Semmering-Bergstrecke unerlässlich.
Geänderter Fahrplan auf der Südstrecke noch bis 29. Mai
Seit Mitte März kommt es im Fernverkehr auf der gesamten Südstrecke zwischen Wien und Villach zu Fahrplanänderungen sowie zu einer vorübergehenden Reduktion des Zugangebots. Diese Einschränkungen bleiben noch bis zum 29. Mai 2026 bestehen, ehe der reguläre Betrieb ab 05:00 Uhr früh wieder vollständig aufgenommen wird.
Auch im Nahverkehr sind die Auswirkungen der Arbeiten weiterhin spürbar: Der eingerichtete Schienenersatzverkehr für ÖBB-Nahverkehrszüge auf der Semmering-Bergstrecke zwischen Payerbach-Reichenau und Mürzzuschlag bleibt noch bis einschließlich 28. Mai aufrecht. Damit werden die notwendigen Sanierungsmaßnahmen begleitet und ein verlässliches Mobilitätsangebot trotz eingeschränkter Streckenverfügbarkeit sichergestellt.