16.06.2026    2 Bilder

ÖBB: Sechster Messbericht zeigt stabile Geräuschpegel an der Wörthersee-Bahnstrecke

  • Schallpegel (Vorbeifahrtspegel) der einzelnen Züge sind weiter gesunken
  • Beurteilungspegel (Dauerschallpegel) neben der Strecke erhöhte sich 2025 geringfügig, da wegen der Tauernsperre deutlich mehr Züge unterwegs waren
  • Investitionen in Bahnanlagen und Züge sowie Ausbau von Schallschutzwänden haben Anrainer:innen nachhaltig entlastet

(Velden, 16. Juni 2026) – Der sechste Messbericht zur im Herbst 2020 von den ÖBB und dem Land Kärnten in Betrieb genommenen Messstelle an der Bahnstrecke in Velden liegt vor. Ziel der Messstelle ist, die Wirksamkeit der laufenden Maßnahmen zur Reduktion von Schall-Emissionen der Bahn am Wörthersee zu dokumentieren. Im Vergleich zu 2020 ist der Beurteilungspegel Nacht um rund 2 dB sowie der durchschnittliche Vorbeifahrtspegel von Güterzügen um rund 4 dB gesunken (Begriffserklärungen finden sich am Ende der Presseaussendung). Die Vorbeifahrtspegel einzelner Züge sind 2025 gegenüber 2024 um über 1 dB gesunken, weil der Anteil der leiseren Züge weiter deutlich zugenommen hat (auf über 98%). Aufgrund einer Zunahme an Güterzugs-Fahrten ist der für die Analyse der Belästigung von Anrainer:innen besonders relevante Beurteilungspegel gegenüber 2024 in der Nacht leicht gestiegen, um 1 dB. Der sehr deutliche Zuwachs an Fahrten (+42%) ergibt sich aus der Sperre des Tauerntunnels, die Umleitungsverkehre ausgelöst hat, die von Jänner bis Anfang Juli 2025 zum Teil auf der Wörthersee-Strecke gefahren sind. Diese temporäre, sehr deutliche Zunahme, hat dennoch den Beurteilungspegel Nacht nur um 1 dB erhöht (und unter Tag minimal).

Das Projekt wird von externen Experten, dem Ziviltechnikerbüro Dr. Christian Kirisits, sowie einem Fachexperten der ÖBB-Infrastruktur AG wissenschaftlich begleitet und betreut. Einmal im Jahr wird ein wissenschaftlicher Bericht über die Ergebnisse veröffentlicht. Die Messberichte sind im Internet unter infrastruktur.oebb.at/woerthersee abrufbar.

Die Messungen ermitteln Vorbeifahrtspegel, Geschwindigkeit, Dauer und Fahrzeugdaten jeder Zugvorbeifahrt. „Damit sind Aussagen zur Schall-Emission von Güterzügen möglich. Der gesamte Beurteilungspegel für die Schall-Immissionen, welcher mit der Belästigung durch Schienenverkehr korreliert, berücksichtigt alle Vorbeifahrten und daher neben dem sinkenden Vorbeifahrtspegel einzelner Güterzüge auch Erhöhungen der Gesamtverkehrsbelastung“, erklärt Dr. Christian Kirisits.

Geräuschpegel pro Zug weiter gesunken – Anteil der leisen Güterzüge steigt auf über 98%
Der auf Basis der Messungen der Vorbeifahrtspegel errechnete Beurteilungspegel für ein Gebäude in 30 Meter Entfernung zur Bahnstrecke (inklusive 2 m hoher Schallschutzwand, in 1,5 m Höhe über Gelände beim Haus), liegt 2025 bei 44 dB am Tag (2020: 46 dB, 2022: 44 dB, 2024: 44 dB) und bei 46 dB in der Nacht (2020: 48 dB, 2022: 45 dB, 2024: 45 dB). In 5 m Höhe (also in einem Obergeschoß) liegt bei denselben Parametern der Beurteilungspegel bei 50 dB am Tag (2020: 52 dB) und 51 dB in der Nacht (2020: 54 dB). Diese Veränderung ist großteils auf den steigenden Anteil von leisen Güterwagen zurückzuführen. Der direkt an den Gleisen gemessene Vorbeifahrtspegel (während der Vorbeifahrt eines einzelnen Güterzuges) ist im Schnitt 2025 um 3,9 dB geringer als 2020 (von 88,2 auf 84,3 dB gesunken). Dieser Rückgang ist auf die fast vollständige Umstellung auf leise Güterwagons zurückzuführen. 2020 waren rund 64 % der Güterwagons am Wörthersee „leise“ Wagen, 2025 waren es über 98 % im Jahresdurchschnitt.

Die statistischen Abweichungen zu einem 100% Anteil ergeben sich durch nicht zu 100 % aktuelle Datenerfassungen sowohl bei den Zugfahrtsmeldungen der Verkehrsunternehmen als auch beim internationalen Fahrzeugregister, in denen zum Teil schon leise Güterwagen noch als laute registriert sind, wie ein Stichprobentest der ÖBB-Infrastruktur AG bestätigt hat.

Außerdem erlaubt die EU-Verordnung TSI Noise den Verkehr von bestimmten Dienstfahrzeugen für Bau- und Betriebszwecke in einer Übergangsphase bis zu Neubeschaffungen, sodass noch nicht genau 100 % erreicht werden können und müssen.

Zunahme der Schall-Immissionen kann langfristig ausgeschlossen werden
Durch die EU-Verordnung TSI Noise dürfen seit Dezember 2024 nur mehr leise Güterzüge auf den EU-Hauptbahnstrecken fahren. Durch die Komplettumstellung von lauten auf leise Güterwagen sinkt der Vorbeifahrtspegel pro Zug um rund 10 dB. Das zeigen auch internationale Berichte sehr eindeutig und transparent (Schweiz, Deutschland).

Franz Hammerschmid, Geschäftsbereichsleiter ÖBB-Infrastruktur AG: „Die Ergebnisse der Messstelle belegen, dass wir für die Anrainer:innen durch die ergriffenen Maßnahmen zur Reduktion von Schall-Immissionen an der Wörtherseestrecke eine spürbare Entlastung erzielt haben. Neben Investitionen in die Bahnanlagen, das Wagenmaterial und in den Ausbau von Schallschutzwänden ist vor allem die Umstellung auf leise Güterwagen ein hörbarer Erfolg.
Durch die Umstellung auf leise Güterwagen sind diese im Schnitt um rund 10 dB leiser geworden, das entspricht einer Halbierung des wahrgenommenen Lärms. Somit
ist sichergestellt, dass es selbst bei deutlichen Verkehrszunahmen in der Zukunft am Wörthersee jedenfalls leiser sein wird, als es im Jahr 2010 war. Die Ergebnisse an der Wörtherseestrecke von 2025 belegen diese nachhaltige Entlastung: trotz einer temporären Zunahme an Güterverkehr aufgrund der Tauernsperre im Jahresschnitt um 42 %, ist der Beurteilungspegel Nacht nur um 1 dB gestiegen, und am Tag nur minimal.“

In den langfristigen Prognosen bis nach 2040 wird eine Zunahme des Güterverkehrs am Wörthersee von nur rund 25 Prozent erwartet, also deutlich weniger als 2025 wirklich gefahren sind.

In Österreich ist die Umstellung von lauten auf leise Güterzüge seit ca. 2010 in Fahrt gekommen und wurde Ende 2024 abgeschlossen. Die für die Bewertung der Auswirkungen von Geräuschen auf Anrainer:innen relevanten Beurteilungspegel sinken dadurch analog (aber nicht linear) ebenfalls deutlich. An einer Strecke mit hohem Güterzugsverkehr-Aufkommen sinkt auch bei einer zukünftigen Zunahme des Güterverkehrs der Beurteilungspegel gegenüber 2010 stark, da von 2010-2024 der Güterverkehr bereits viel leiser geworden ist, um rund 10 dB beim Vorbeifahrtspegel. Entsprechend den vorliegenden Daten der Messstelle am Wörthersee, wird selbst bei einer sehr deutlichen Zunahme an Güterverkehr der Beurteilungspegel jedenfalls geringer als 2010 bleiben, selbst wenn die Kapazitäten der Strecke voll ausgeschöpft würden.

Das liegt daran, dass die Wahrnehmung von Lärm vor allem durch die lautesten oder auffälligsten Geräusche geprägt wird. Werden diese Geräusche um rund 10 dB leiser, entspricht das der Halbierung des wahrgenommenen Lärms. Fahren also sehr viele leisere Züge, ist dies bedeutend weniger störend als wenn wenige sehr laute fahren. Genau darauf hat die EU-Verordnung TSI Noise abgezielt: Fallen die ganz lauten Züge weg, ist das eine enorme Entlastung für die Anrainer:innen, selbst wenn später mehr Züge fahren.

Die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene ist ein wesentliches Ziel der EU, der Bundesregierung und den ÖBB, sowohl im Sinne des Klimaschutzes, als auch im Sinne der Lebensqualität für die Österreicher:innen. Jeder Kilometer Gütertransport auf der Straße bedeutet einen 30-fach höheren CO2-Ausstoß gegenüber dem Transport mit der Bahn. Somit ist die Verlagerung des Gütertransportes ein großer Beitrag im Kampf gegen die Klimakrise.

Die ÖBB setzen ihr Programm zum Bau von Schallschutzwänden und Investitionen in die Bahninfrastruktur weiter fort, um auch in diesem Bereich für eine weitere Reduktion von Schall-Immissionen zu sorgen.

Begriffs-Erklärung:

Als Schall-Emissionen wird die Aussendung von Schall durch eine Schallquelle bezeichnet (also z.B. Zug am Gleis oder LKW auf der Straße).

Als Schall-Immissionen bezeichnet man die einwirkenden Geräusche, die an einer bestimmten Stelle ankommen, also z.B. beim Ohr des Menschen. Schall-Immissionen werden in der Regel (z.B. bei Lärmkarten) berechnet, aufgrund wissenschaftlich fundierter Grundlagen zu dem Thema, die von Experten über Jahrzehnte entwickelt worden sind.

Der Vorbeifahrtspegel stellt eine Schall-Emission dar und ist der energiemäßig gemittelte Schalldruckpegel während einer Zugvorbeifahrt im Nahbereich der Strecke (in Velden 7,5m von der Gleisachse).

Der Beurteilungspegel stellt eine Schall-Immission dar und gilt als Maß für die Belästigung und bezieht sich auf Anzahl, Dauer und Höhe aller Vorbeifahrtsgeräusche über einen definierten Zeitraum (z.B. Jahresdurchschnitt, unterteilt in Tag- und Nachtpegel wobei Nacht von 22:00 – 6:00 Uhr ist).

Beurteilungspegel sind international anerkannte Vergleichsgrößen. Für die Lärmkartierung ist es üblicherweise ein Jahresdurchschnitt, womit langfristige Auswirkungen am besten beschrieben werden können. Im Gegensatz zu kurzfristen Schallspitzen, die jederzeit und überall auftreten können (heulender Motor, schreiendes Kind, Notbremsung etc.). Beurteilungspegel beinhalten nicht alleine die Höhe des einzelnen Vorbeifahrtspegels, sondern auch die Anzahl und Dauer dieser belästigenden Geräuschereignisse. Sie berücksichtigen weiters, in welchem Zeitraum (z.B. Tag oder Nacht) die Vorbeifahrten auftreten und werden entsprechend internationaler Empfehlungen als Maß für die Belästigung von Anrainer:innen durch Schallquellen herangezogen, auch z.B. von der WHO (Weltgesundheitsorganisation).

Die Fotos können unter Angabe des Fotohinweises ÖBB/Dinhobl kostenfrei verwendet werden.

 

Bilder (2)

Messstation Wörthersee
1 904 x 1 072 © ÖBB/Dinhobl
Messstation Wörthersee
4 056 x 3 240 © ÖBB/Dinhobl
ÖBB. Heute. Für Morgen. Für uns.
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Seit über 100 Jahren gestalten die ÖBB die Mobilität. Als umfassender Mobilitäts- und Logistikdienstleister haben die ÖBB im Jahr 2025 559 Mio. Fahrgäste und rund 79 Mio.Tonnen Güter klimaschonend und umweltfreundlich an ihr Ziel gebracht. Denn der Strom für Züge und Bahnhöfe stammt zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie. Die ÖBB gehören mit 94,1 Prozent Pünktlichkeit im Personenverkehr zu den pünktlichsten Bahnen Europas. Mit Investitionen von mehr als fünf Mrd. Euro jährlich in die Bahninfrastruktur und Flotte bauen die ÖBB am Bahnsystem für morgen. Konzernweit sorgen mehr als 48.000 Mitarbeiter:innen bei Bus und Bahn – darunter 2.145 Lehrlinge – dafür, dass täglich mehr als 1,5 Mio. Fahrgäste sicher an ihr Ziel kommen. Die ÖBB sind das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs und bringen als Österreichs größtes Klimaschutzunternehmen im Mobilitäts- und Logistikbereich Menschen und Güter sicher und umweltbewusst an ihr Ziel. Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG.