(Wien, 17. April 2026) – Die ÖBB haben das Jahrhundertprojekt Koralmbahn Ende 2025 erfolgreich auf Schiene gebracht. Täglich sind inzwischen 7.000 Fahrgäste auf der neuen Strecke unterwegs. Insgesamt waren im vergangenen Jahr 559 Mio. Menschen mit den Zügen oder Bussen der ÖBB im In- und Ausland unterwegs – ein Plus von 1,4 %. Im Güterverkehr ist die Transportleistung aufgrund der Industrierezession um 4 % auf 26,2 Mrd. Nettotonnenkilometer gesunken. Das Konzernergebnis vor Steuern (EBT) war deutlich positiv bei 68,1 Mio. Euro, sank aber im Vergleich zum Vorjahr um 40 %. Mit ihren Mobilitätsleistungen haben die ÖBB Österreich im Jahr 2025 mehr als 4,2 Mio. Tonnen CO₂ erspart. Der Wert ist im Vergleich zum Jahr 2024 konstant geblieben.
„In Anbetracht der schwierigen Wirtschaftslage haben wir uns mit dem Ergebnis 2025 doch wacker geschlagen. Als erfreulich sehe ich den weiter anhaltenden Fahrgastzuwachs. Die neue Südstrecke beflügelt den Fernverkehr. Im Nahverkehr beschert uns unsere deutsche Tochter Arverio einen großen Zustrom an Fahrgästen“, sagt ÖBB CEO Andreas Matthä.
Finanziell war erneut der Personenverkehr Ergebnisträger bei den ÖBB
Das EBT des Teilkonzerns hat sich 2025 von 70 auf 228 Mio. Euro erhöht. Der starke Anstieg geht vor allem auf einen Einmaleffekt in Zusammenhang mit einer Gutschrift von Infrastrukturbenutzungsentgelt (IBE) zurück. Aber auch ohne diesen Effekt ist das Ergebnis auf 102 Mio. Euro gestiegen. Anders beim Güterverkehr: Die wirtschaftliche Situation hat die Kundennachfrage gedämpft und zu einem Rückgang des Transportvolumens geführt. Eine Sonderabschreibung und handels- und zollpolitischen Verwerfungen im Agrarbereich haben zu einem Ergebnis von -135,5 Mio. Euro (Vj:-24,5 Mio. Euro) geführt. Bereits im vergangenen Jahr wurden zahlreiche Maßnahmen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit im Konzern gestartet. Die ÖBB-Infrastruktur AG hat abermals einen Anstieg der Betriebsleistung um 3 % auf 177 Mio. Zugkilometer verzeichnet und ein Ergebnis von 15 Mio. Euro EBT erwirtschaftet, um rd. 2,5 Mio. Euro mehr als 2024.
„Im Konzernergebnis spiegelt sich einerseits der erwähnte Fahrgastzuwachs wider, jedoch ist es auch von der Wirtschaftsflaute und von der einmaligen Wertberichtigung der Rail Cargo Group gekennzeichnet. Insgesamt stehen wir als ÖBB Konzern operativ stabil da und investieren weiterhin konsequent in die Zukunft.”, ergänzt ÖBB CFO Manuela Waldner.
Hohe Investitionen trotz Einsparungen
Im Rahmen der Budgetkonsolidierung durch die österreichische Bundesregierung haben die ÖBB als eines der großen Unternehmen im Staatseigentum im Mai 2025 ein Einsparungsziel von ihrem Eigentümer erhalten. Insgesamt wurden die Investitionen laut Rahmenplan 2025 bis 2030 um rd. 300 Mio. Euro pro Jahr reduziert.
Trotz Einsparungen war das Investitionsprogramm der ÖBB 2025 über 5 Mrd. Euro schwer (davon 3,2 Mrd. Euro Rahmenplan). Die größten Investitionen: Die Fertigstellung der Koralmbahn, der Brenner Basistunnel, der Semmering Basistunnel und die Modernisierung der Wiener Schnellbahn-Stammstrecke.
Weitere Großinvestitionen sind in neue Kraftwerke zur Erzeugung von erneuerbarer Energie geflossen: Über 25 neue PV-Anlagen sind österreichweit in Betrieb gegangen und haben die jährliche Sonnenstromproduktion auf rd. 65 GWh erhöht – ein Plus von rd. 26 GWh gegenüber dem Vorjahr. Neben Photovoltaik bleibt die Wasserkraft eine tragende Säule der CO₂-freien Bahnstromproduktion. 2025 hat das ÖBB Kraftwerk Spullersee sein 100-jähriges Jubiläum gefeiert. Das Werk wurde 2021 umfassend modernisiert und sichert gemeinsam mit dem Kraftwerk Braz bei Bedarf die vollständige Bahnstromversorgung in Vorarlberg – ein wichtiger Beitrag zur regionalen Versorgungssicherheit. Der Eigenversorgungsanteil von Bahnstrom, der seit 2018 zu 100 % aus erneuerbaren Energiequellen stammt, soll bis 2030 von 60 % auf 80 % erhöht werden.
Darüber hinaus wurden Digitalisierungsprojekte, Elektrifizierungen und Bahnhofsmodernisierungen durchgeführt. Im Personenverkehr wurde in die sukzessive Modernisierung der Flotte investiert. Im vergangenen Jahr wurden 49 neue Züge angeschafft, weitere 130 sollen 2026 und 2027 folgen.
Personalwachstum: 765 mehr Mitarbeiter:innen
Der Expansionskurs der ÖBB haben den Bedarf an Mitarbeiter:innen weiter erhöht. Der Personalstand (Köpfe) ist 2025 um 765 bzw. 1,6 % auf 48.249 gestiegen (Vj: 47.484). Der ÖBB Konzern zählt zu den größten und beliebtesten Arbeitgebern Österreichs. Das spiegelt sich auch am hohen Interesse am Arbeitsmarkt wider: Über 140.000 Bewerbungen wurden 2025 gezählt, die in 5.439 Neuaufnahmen mündeten. Auch 2026 suchen die ÖBB mehr als 4.000 Mitarbeiter:innen, um den laufenden Generationenwechsel zu stemmen. Der ÖBB Konzern zählt auch zu den größten Ausbildungseinrichtungen Österreichs. Zum Jahresende 2025 waren 2.145 (Vj: 1.964) Lehrlinge in Ausbildung.
Der Frauenanteil hat sich in der Männerdomäne Eisenbahn sichtbar erhöht: 17,5 % des Personals sind inzwischen weiblich (2024: 17,1 %), unter den Führungskräften beträgt der Frauenanteil 22,7 % (2024: 21,5 %) und die ÖBB bilden bereits 25 % weibliche Lehrlinge aus. Dabei gilt das Prinzip „gleiches Geld für gleiche Arbeit“: Der Gender Pay Gap im ÖBB Konzern liegt bei 1,5 % und damit deutlich unter österreichweiten Durchschnitt von 17,6 %.
Das Ergebnis im Detail
Teilkonzern ÖBB Personenverkehr
Insgesamt hat der Teilkonzern Personenverkehr ein erneutes All-time High bei den Fahrgästen von 559 Mio. erreicht (Vj: 552 Mio.). Induziert wurde es vor allem im Nahverkehr der deutschen Tochter Arverio. Im Nahverkehr haben die ÖBB 301 Mio. Fahrgäste auf der Schiene befördert, ein Plus von 2,0 % (Vj: 295 Mio.), im Fernverkehr waren es 46,7 Mio. Menschen, ein leichtes Plus von 1,5 % (Vj: 46,0 Mio.). Die Fahrgastzahlen im Busverkehr sind um 0,2 % auf 211,5 Mio. leicht gestiegen (Vj: 211,0 Mio.).
Bei der Pünktlichkeit gab es leichte Verbesserungen: 2025 waren 94,1 % der Züge im Personenverkehr pünktlich, eine Verbesserung um 0,6 pp (Vj: 93,6 %). 81,6 % der Züge im Fernverkehr und 94,8 % der Züge im Nahverkehr waren pünktlich unterwegs. Insgesamt gelten die ÖBB damit als eine der pünktlichsten Bahnen in Europa.
Der Teilkonzern Personenverkehr hat 2025 aufgrund der Angebotsausweitung und des Fahrgastwachstums einen Anstieg der Umsatzerlöse um 8 % auf 4.093,5 Mio. Euro verzeichnet (Vj: 3.790,6 Mio. Euro). Die Gesamterträge sind dadurch um 9 % gestiegen. Der Gesamtaufwand hat sich um 5 % auf -4.024,3 Mio. Euro (Vj: 3.829,2 Mio. Euro) erhöht. Der Personenverkehr hat damit ein Ergebnis vor Steuern (EBT) von 227,7 Mio. Euro erwirtschaftet (Vj: 70,0 Mio. Euro).
ÖBB Rail Cargo Group
Die anhaltende industrielle Rezession in Europa und insbesondere in Österreich hat deutliche Auswirkungen auf den Schienengüterverkehr gehabt. Die Nachfrage nach Logistikleistungen ist zurückgegangen. Zudem hat ein harter Preiswettbewerb mit der Straße das Umfeld geprägt. Die Transportleistung der ÖBB Rail Cargo Group (RCG) ist dadurch um 4 % auf 26,2 Mrd. Nettotonnenkilometer gesunken. Trotzdem ist es der RCG gelungen, den Umsatz um 6 % auf 2.090 Mio. Euro (Vj: 1.974 Mio. Euro) zu erhöhen.
Unterm Strich hat die RCG allerdings mit einem EBT von -135,5 Mio. Euro (Vj. - 24,5 Mio. Euro) abgeschlossen. Dieses Ergebnis ist von einer einmaligen Wertberichtigung und Einbußen im Agrarbereich geprägt. Die trüben wirtschaftlichen Aussichten haben das ÖBB Management veranlasst, künftige Ertrags- und Investitionsprognosen neu zu bewerten und Firmenwerte bei den Beteiligungen in Ungarn und der Agrarspedition in Höhe von -81,1 Mio. Euro abzuschreiben. Auch ohne diesen Einmaleffekt ist das Ergebnis mit -54 Mio. Euro negativ geblieben.
Der Agrarsektor belastet das Ergebnis mit rd. 36 Mio. Euro. Der Grund dafür sind geänderte Warenströme durch Missernten, eine schwache Marktentwicklung sowie handels- und zollpolitischen Verwerfungen aufgrund der US-Zollpolitik. Ohne die Abschreibung und die Verluste im Agrarbereich wäre das Ergebnis in etwa auf Vorjahresniveau geblieben. Abseits des schwierigen Wirtschaftsumfelds hatten längere Transportwege aufgrund der Baustellensituation etwa in Deutschland sowie hohe Energiepreise Einfluss auf das Ergebnis der Gütersparte der ÖBB.
Die RCG setzt bereits ein Bündel an Maßnahmen um, um gegenzusteuern: Unter anderem werden nicht wettbewerbsfähige Produkte eingestellt, die Auslastung nachgefragter Verbindungen gezielt erhöht sowie die Organisation verschlankt und zukunftsfit gemacht, sodass im ÖBB-Konzern für 2026 eine Besserung der Finanzzahlen erwartet werden kann.
Teilkonzern ÖBB Infrastruktur
Die Umsatzerlöse des Teilkonzerns Infrastruktur haben 1.269,6 Mio. Euro betragen (Vj: rd. 1.231,6 Mio. Euro), die Gesamterträge des Teilkonzerns ÖBB Infrastruktur sind um 5 % oder 196,3 Mio. Euro auf 4.415,4 Mio. Euro (Vj: rd. 4.219,1 Mio. Euro) gestiegen. Der Teilkonzern ÖBB Infrastruktur hat 2025 ein EBT von 15,1 Mio. Euro erwirtschaftet, um 20 % mehr als im Vorjahr (Vj: 12,6 Mio. Euro).
G&V und Bilanz des Konzerns
Mit Gesamterträgen von 9.676,1 Mio. Euro (Vj: 8.997,0 Mio. Euro) hat der Konzern gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg von 8 % verzeichnen können. Die Gesamtaufwendungen haben sich um 8 % auf 8.943,5 Mio. Euro erhöht (Vj: 8.289,2 Mio. Euro). Das EBIT ist um 4 % auf 732,7 Mio. Euro gestiegen (Vj: 707,8 Mio. Euro). Nach einem Ergebnis von 113,6 Mio. Euro im Vorjahr wird dieses Jahr ein EBT von rd. 68,1 Mio. Euro ausgewiesen. Dies entspricht einem Rückgang von rd. 45,5 Mio. Euro oder 40 % gegenüber dem Vorjahr.
Aufgrund des sich zunehmend verschärfenden Wettbewerbsumfelds, allen voran im Güterverkehr, haben die ÖBB Mitte 2025 ein Wettbewerbsprogramm namens „Compete“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, die beeinflussbaren Plankosten konzernweit um 10 % zu senken und den Konzern wettbewerbsfit für die Zukunft aufzustellen. Insgesamt werden konzernweit rd. 300 Mio. Euro jährlich eingespart, etwa durch Synergien in den Querschnittsbereichen, die Reduktion von Verwaltungskosten und Sachaufwendungen sowie Prozessoptimierungen und Produktivitätssteigerungen.
Bilanzsumme wächst weiter
Vorwiegend bedingt durch die Investitionen in das Sachanlagevermögen hat sich im Jahr 2025 die Bilanzsumme des ÖBB Konzerns um 6 % auf rund 46,9 Mrd. Euro (Vj: 44,2 Mrd. Euro) erhöht. Der Anteil des Sachanlagevermögens am Gesamtvermögen (Sachanlagenintensität) liegt dabei bei stabilen 90 %. Finanziert sind diese Vermögenswerte vorwiegend durch die Aufnahme von Fremdkapital in Form von Darlehen.
Per 31. Dezember 2025 weist der ÖBB Konzern eine Eigenkapitalquote von 7,1 % (Vj: 7,7 %) aus. Auf der Passivseite ist der Anstieg der Bilanzsumme vorwiegend auf die gestiegenen Finanzverbindlichkeiten zurückzuführen.
Ausblick 2026: Steigende Fahrgastzahlen, besseres Ergebnis
Trotz schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sieht der ÖBB Vorstand positiv in die Zukunft. Die Investitionen in die Flotte und der Ausbau der Infrastruktur sollten trotz geplanter Baustellen und Sperren zu einem weiteren Fahrgastwachstum führen. Im Güterverkehr soll die Trendwende eingeleitet werden. Für beide Absatzgesellschaften erwartet der Vorstand eine Verbesserung der Finanzergebnisse.
Der Geschäftsbericht mit integriertem Nachhaltigkeitsbericht 2025 ist hier ab 10:15 Uhr verfügbar: bericht.oebb.at